Die Utopie leben – Anarchismus in Spanien

Da ist man so mir nichts dir nichts in der Bar und quatscht ein bisschen darüber, warum man eigentlich dort ist, wo man ist. Nach einer anderen anstregenden Woche, noch anstrengendenderen Funktionären und allerlei Wirtschaftskrise im schönen Spanien wird es einfach Zeit, wieder “die andere Seite” meines zweiten Heimatlandes zu sehen.

Eine sehr interessante Dokumentation über den Anarchismus in Andalusien und Katalunien nach russischen Ideen, die den praktischen Gegenentwurf zum Kommunismus bildeten, sozusagen die Gegenideologie zur Gegenideologie 😉 Allerdings erfuhr sie vor allem in Andalusien in den 1920er und 1930er Jahren eine praktische Umsetzung. Ein Kapitel der Geschichte, das in Deutschland nicht sehr bekannt ist…

 

Viel Spaß und “Happy Halloween” (auch wenn das gerade nicht zusammenpasst)

 

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4 thoughts on “Die Utopie leben – Anarchismus in Spanien

  1. Anarcho-Syndikalismus!!! Von Monty Python bei Ritter der Kokosnuss mit den malochenden Bauern verewigt: “Which King? We are an anarcho-syndaclist regime.”

    • Ja man ! Jetzt ist es mir auch wieder eingefallen. Das war schon damals ganz groß 🙂 Ist aber ziemlich interessant, dass nur in Andalusien und in Katalonien anarchistische Ideen umgesetzt wurden…bin da immer noch dran an der Sache, Kommunismus scheint doch etwas “typisch deutsches” gewesen zu sein 😉

      • Ja, stimmt. Kommunistische Aktivitäten gab es erst während des Bürgerkriegs und wurden von außen, sprich Russland und den Mitglieder anderer kommunistischer Parteien importiert. Der spanische amarchismus ist speziell und müsste auf Aktivitäten in den 1860er Jahren zurückgehen. Die Zeit wo mit Bakunin auch in Deutschland anarchistische Tendenzen vertreten wurden. Ich glaube dazu habe ich mal was bei Hobsbawm gelesen.

      • Der gute alte Hobsbawn… es wäre noch besser, wenn du dich noch erinnern könntest, in welchem Buch…den Rest erledigt dann Amazon Espana 😉 Was ich so interessant an der Sache finde, ist die Tatsache, dass eine russische Idee gerade in Andalusien auf so fruchtbarem Boden gestoßen ist. Meiner Ansicht nach gibt es hierfür folgende Erklärung: Russland war im 19. Jahrhundert mehrheitlich ein Agrarstaat, die Industrialisierung kam spät und begrenzte sich nur auf einige wenige große Städte. Einzelne Versuche, die marxistische Doktrin auf Russland anzuwenden (siehe Plechanow) mussten zwangsläufig fehlschlagen. Viel erfolgreicher war da schon die sozialrevolutionäre Bewegung (mit Größen wie Frau Kolontai, zum Beispiel). Mich würde interessieren, inwiefern die sozialrevolutonäre Bewegung in Russland mit dem dortigen Anarchismus verbandelt war. Jedenfalls ist sicher, dass die Bolschewiki sich gegen die marxistisch orthodoxen Menschewiki auch nur durchsetzen konnten, weil sie eben NICHT an der auf Industrialisierung gemünzten marxsitischen Doktrin festhielten, sondern die landwirtschaftlichen Reformprogramme der Sozialrevolutionäre in den ersten Tagen der Oktoberrevolution in ihre Ideologie mit aufnahmen… wie dem auch sei….
        hier in Andalusien gibt es nach wie vor große Ländereien in den Händen einiger weniger und das schon seit Jahrhunderten. Ich habe mich mal mit einem Korrespondenten einer deutschen Zeitung in Madrid getroffen, der ebenfalls von der Abwesenheit einer bürgerlichen Klasse in Andalusien sprach. Wie eben in Russland des 19. Jahrhunderts auch… es gab (und gibt!!) auf der einen Seite Großgrundbesitzer (die so genannten “Senoritos”) und eine Bevölkerung, die bei uns länger als in den meisten Regionen Europas förmlich wie eine Zitrone ausgepresst wurde (und wird!). Aber es war niemals das Problem einer durch industrielle Produktion geschaffenen Abhängigkeit, sondern die Ungerechtigkeit geschah und geschieht auf dem Lande. So glaube ich, dass es im Nachhinein nicht verwundert, warum hier bei uns der Anarchismus so eine große Rolle gespielt hat. Leider bin ich noch nicht zu wirklichen Anarchisten vorgedrungen. Es gibt hier viele, die so rumlaufen, aber letzten Endes doch nur Papas Geld versaufen und im Anarcho-Outfit per Whatsapp die nächste Antiparty organisieren… schade.. es gitb einen Bürgermeister eines Dorfes, der einen auf Robin Hood macht und Supermärkte bestiehlt und die Güter dann weiterverteilt. Ich habe ihn aber nur einmal sehen können… es gibt für mich auf diesem Sektor noch viel zu tun…

        Aber weiter im Text:
        An diese Schlussfolgerung hängt sich logischerweise eine essenzielle: Warum hat sich der Großgrundbesitz in Andalusien so lange konserviert?
        Da habe ich eine Theorie, die etwas gewagt ist und die man überprüfen sollte. Vielleicht kannst du, David, mir da sogar weiterhelfen. Andalusien stand länger als der Rest Spaniens unter arabischer Herrschaft. Und als es zur “Reconquista” durch die Spanier kam, waren, so spekuliere ich, für viele reiche Leute auf einmal große Mengen Land verfügbar. Es war ja besetzt und hatte vorher nur “dem Feind” gehört. Große Teile der Bevölkerung gingen entweder nach Marokko ins Exil oder kamen in die Sklaverei (an dieser Stelle möchte ich dir einen Autor empfehlen, Amin Maloouf heißt der und das Buch dazu “der afrikanische Löwe” oder “Leo africanus” oder so ähnlich). Jedenfalls war auf einmal sehr viel billiges Land für reiche Leute da, die es natürlich aufkauften. Das passierte in Irland nach dem Sieg der Engländer genau auf die gleiche Weise. In Irland bildeten die “Zugezogenen” dann eine lokale Elite, die sich die Verwaltungsposten gegenseitig zuschoben. Ich habe den Verdacht, dass das bei uns hier auch passiert ist. Und ich weiß nicht, wie es außerhalb Andalusiens ist, aber hier unten bekommst du einen Job bei den Öffentlichen eigentlich nur, wenn du jemanden kennst, der jemanden kennt. In ganz wenigen Ausnahmen ist es nicht so. Man lernt hier schnell, in den Ämtern zu unterscheiden zwischen dem, der Ahnung hat (und die staatlichen Prüfungen bestanden ) und jenem, der ein Cousin von jemandem ist und dir durch seine Inkompetenz den ganzen Tag vermiesen kann. Meine Theorie: All das geht noch auf die Umkrempelung der sozialen Verhältnisse bei der “Reconquista” zurück und hat sich bis heute konserviert. Bis jetzt ist es nur ein Verdacht, ich werde mich weiter darüber informieren und hoffe, bald Gewissheit zu erlangen.

        Du hast von der ganzen Geschichte ja mehr Ahnung als ich… kannst du meinen Verdacht bestätigen?

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